bzwLEBEN im Ansverus Haus

Blick in die Runde

Am Sonntag vor einer Woche fand im Ansverus-Haus in Aumühle bei Hamburg eine besondere Veranstaltung mit unserem Buch statt. Yotin Tiewtrakul organisierte gemeinsam mit Anja Neu-Illg und Kirsten Faupel-Drevs eine Veranstaltung die unter dem Namen »Lesung | Gespräch | Schweigen« stand. Die Verbindung aus Begegnung, Lesung, Gespräch und Schweigen in der Krypta des Hauses haben mir sehr gut gefallen.

Yotin liestDaniel liest

Da Martin einen ausführlichen Eintrag zu der Veranstaltung geschrieben hat, werde ich keine weiteren Worte mehr verlieren und euch die Lektüre seines Eintrages empfehlen:

› Ein Besuch im Ansverus-Haus in Aumühle.

Einige weitere Bilder der Veranstaltung finden sich in einem Album der facebook-Seite des Ansverus-Hauses:

› Album: Lesung | Gespräch | Schweigen

07.03.2010 / Daniel Mitteilung

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Missionaler Aufbruch

Es geht ja doch!Unter dem Motto »Es geht ja doch! – missionaler Aufbruch in „ganz normalen“ Gemeinden« wird vom 12. bis 14. März 2010 in Erlangen ein Wochenende mit Alan Roxburgh (Vancouver) stattfinden.

Wir empfehlen allen, die die missionalen Ansätze und Andeutungen im Buch anregend fanden, an diesem Wochenende mit Alan Roxburgh teilzunehmen. Auch gerade dann, wenn du diese Ahnung hast, dass sich diese Ansätze nicht mit deiner Gemeinde vertragen, oder dass eine solche Ausrichtung nur in so genannten Neugründungen möglich ist. Alan Roxburgh hat viel Erfahrung mit missionalen Ansätzen in Verbindung mit „normalen“ Gemeinden. Weitere Infos und die Möglichkeit dich anzumelden, findest du auf dieser Seite zur Veranstaltung.

13.02.2010 / Daniel bzwHANDELN

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beziehungsweise MOBIL

Gestern Abend habe ich mir einen TED-Vortrag von Stefana Broadbent angesehen. Darin spricht sie darüber wie die mobile Kommunikation Intimität fördert.

Es ist immer wieder davon zu hören, dass die Möglichkeiten der mobilen Kommunikation Menschen eher isolieren, als dass sie Beziehungen fördern. Broadbent weist in ihrem Vortrag darauf hin, dass mobile Kommunikation Intimität ermöglicht. Hierbei geht sie zunächst auf den Aspekt der Zerstreuung ein und spricht dann über die Umstände in denen Menschen mittels mobiler Möglichkeiten kommunizieren.

Kommunikationsverhalten in Zahlen

Ihre Meinung, dass mobile Kommunikation nicht unbedingt zur Zerstreuung führt und Menschen trotz hoher „Freundeszahlen“ isoliert werden, erläutert sie anhand einiger Zahlen: Während der durchschnittliche Facebook-Nutzer 120 Freunde hat, pflegt er dennoch, nach Angaben von Facebook, lediglich mit 4 – 6 Kontakten regelmäßigen Austausch. Ähnliche Zahlen treffen auch auf Benutzer von Chat-Programmen zu. Viele haben um die 100 Kontakte, chattet jedoch nur mit 2 – 5 Personen regelmäßig. Ein besondere 80-20 Regel stellte sie auch in der Handynutzng fest, 80% der Anrufe verteilen sich auf 4 Leute. Über Skype telefonieren die meisten Nutzer wohl lediglich mit 2 Personen regelmäßig. Sie sieht darin ein Indiz, dass mobile Kommunikation nicht zur Zerstreuung und Vereinsamung führt, sondern dass die Möglichkeiten vor allem dazu genutzt werden, Beziehungen zu pflegen.

Orte der mobilen Kommunikation

Den zweiten Schwerpunkt ihres Vortrages sehe ich in der Darstellung der Umstände in denen Menschen mobile Kommunikationswege nutzen. Hier führt sie eine ganze Reihe von Menschen an, die ihre Beziehungen auf diese Weise pflegen. Sie sieht hier vor allem die Kontaktmöglichkeiten in den Pausen bei der Arbeit, in Schule oder Univerität als bedeutend an. Menschen mit Migrationserfahrung oder solche, deren Freunde oder Verwandte weit entfernt wohnen, nutzen mobile Kommunikationswege zur Pflege ihrer Beziehungen. Auf diese Weise geben sie einander beispielsweise per Videochat Anteil an ihrem Leben und erfahren dabei Nähe. Ähnliches gilt für Freunde die während der Aufmerksamkeitspausen im Laufe des Arbeitstages miteinander chatten oder sich per SMS an ihrem Leben Anteil geben.

Was denkt ihr?

Welche Rolle spielt die mobile Kommunikation bei euch?
Was denkt ihr zu den hier geäußerten Gedanken?

02.02.2010 / Daniel bzwLEBEN

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Lesung | Gespräch | Schweigen

Flyer bzwLEBEN im Ansverus-Haus

Am 28. Februar wird von 16 – 21 Uhr eine besondere Veranstaltung zu unserem Buch im Ansverus-Haus stattfinden. Yotin und ich werden aus unseren Kapitel lesen, wir werden ins Gespräch kommen und in die Krypta, den Raum der Stille, eintreten.

Falls du also aus dem Großraum Hamburg kommst, oder eine Gelegenheit für eine kleine Reise suchst, laden wir dich herzlich ein am 28. Februar dort hin zu kommen. Wir werden hier in Kürzere nähere Infos bekanntgeben. Du kannst dich bereits jetzt über den passenden Facebook-Eintrag anmelden, informieren und allen deinen Freunden davon erzählen. Für weitere Infos oder deiner Anmeldung kannst du dich auch schon jetzt an Yotin (cantor (at) ansverus-haus.de) wenden.

01.02.2010 / Daniel Mitteilung

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Gemeinsame Werte

Gestern hielt ich ihm Rahmen eines Kaffeekränzchens zu Strukturen und einer positiven Führungskultur ein kurzes Impulsreferat. Darin bezog ich mich auf den Artikel »ermöglichende Strukturen« aus dem dritten Teil des Buches. In der Vorbereitung dazu fiel mir auf, dass im letzten Teil des Artikels (Rahmenbedingungen schaffen) neben positiver Führungskultur, Umgang mit Informationen und echten Beteiligungsstrukturen ein wesentlicher Aspekt ungenannt bleibt: gemeinsame Werte. Die gemeinsamen Werte erschienen uns wohl zu selbstverständlich als dass wir sie erwähnt hätten, oder aber ich habe sie einfach vergessen.

Wenn wir jedoch eine Organisation leben wollen, die auf ein direktives Führungsorgan verzichtet, die Möglichkeiten der Selbstorganisation des Systems ausschöpft und kreative Mitgestaltung aller Beteiligten wertschätzt, dann können wir auf gemeinsame Werte nicht verzichten. Sie bilden vielmehr die Grundlage unseres Handelns, und ermöglichen uns als dezentraler Organisation unsere gemeinsam gesteckten Ziele zu erreichen.

In ihrem Buch »Der Seestern und die Spinne« schreiben Ori Brafman und Rod A. Beckström über die Bedeutung des gemeinsamen Wertesystems einer dezentralen Organisation. Sie bezeichnen die gemeinsamen Werte als verbindendes Element einer solchen Organisation und weisen damit über Zusammengehörigkeitsgefühl, Freiheit und Vertrauen hinaus (Vgl. Seite 83). Die gemeinsamen Werte ermöglichen gemeinsames Handeln und bilden dabei die Grundlage, die es ermöglicht in Freiheit, ohne ständige Absprachen im Sinne der Organisation zu handeln. In diesem Sinne stellen gemeinsame Werte auch den Nährboden des Vertrauens dar.

Verstehen wir Leitung also mehr im Sinne verbindenden Elemente einer Organisation, und nicht als direktives oder gar kontrollierendes Organ, können wir auf gemeinsame Werte nicht verzichten. Diese Werte, sollten meiner Ansicht nach – analog zu den im Artikel erwähnten Zielen und Perspektiven – unter Einbeziehung der gesamten Organisation entwickelt werden.

_

In diesem Sinne schlage ich vor, dass du dein beziehungsweise leben-Buch zur Hand nimmst, es auf Seite 172 aufschlägst und die Überschrift »GEMEINSAME WERTE« hinzufügst. Unter diese Überschrift kannst du dann ja einfach den Link zu diesem Eintrag vermerken und deine Gedanken hier in den Kommentaren hinterlassen – auf diese Weise schreiben wir gemeinsam an den Gedanken zur Realisierung ermöglichender Strukturen in unseren Organisationen weiter…

07.01.2010 / Daniel bzwORGANISIEREN

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Frohe Weihnachten!

Frohe Weihnachten!

Mit diesem kleinen Polaroid aus meinem Wohnzimmer möchte ich euch Leserinnen und Lesern dieses Blogs frohe Weihnachten wünschen.

Vielen Dank, dass ihr dieses Blog lest und – so nehme ich an – euch für unser Buch interessiert. Ich freue mich sehr über allen Austausch den wir bisher darüber hatten und bin gespannt was das neue Jahr bringen wird.

Bevor ich mich jetzt dann in eine kleine Weihnachtspause verabschiede, möchte ich gerne noch auf die Geschenke hinweisen die unter diesem kleinen Weihnachtsbaum liegen > Um sie sehen zu können darfst du diesem Link folgen.

24.12.2009 / Daniel Mitteilung

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Lesung Edition Emergent

Lesung Emergent Deutschland

Auf dem Emergent Forum 2009 fand am Samstag Abend eine Lesung statt. Diese Lesung hatte ich frech »Lesung Edition Emergent« genannt. An diesem Abend lasen Daniel Hufeisen und Michaela Paul aus ZeitGeist 2, Walter Faerber und Harald Sommerfeld lasen ihre Artikel aus Beziehungsweise Leben und Jens Stangenberg las aus seinem Buch »Tanz auf der Fontäne«. Heute hat nun Daniel Weber das MP3 der Lesung im Emergent Deutschland Podcast veröffentlicht.

Meine Idee der Lesung war es, dass die Artikel und damit die Bücher ein Gesicht bekommen. Die Autorinnen und Autoren stellten ihrer Lesung eine persönliche Notiz voran und lasen anschließend einen Ausschnitt aus ihrem Kapitel. Auf diese Weise bekamen die Artikel das Gesicht derer die sie geschrieben haben und können mit deren Leben verbunden werden.

› Hier gehts zum Eintrag auf emergent-deutschland.de

18.12.2009 / Daniel Mitteilung

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So war das erscheinungsFEST Berlin

Café Klaus Abendbrot

Im gemütlichen Ambiente des Café Klaus Abendbrot fand am 05. Dezember die Berliner Version eines Erscheinungsfestes für unser Buch statt.
Die Veröffentlichung lag ja schon ein wenig zurück, aber da fünf von uns Autoren in Berlin wohnen, wollten wir auch hier noch einmal damit in Erscheinung treten – und das mit einem Fest feiern.

im Café Klaus Abendbrot

Viele Gäste folgten unserer Einladung – oder stolperten eher zufällig von der Straße in die Wärme unseres Veranstaltungsortes.
In der teilweise recht kuscheligen Enge lasen Haso, Anne, Johnny, Andy und ich aus unseren Kapiteln und denen anderer Autoren, die leider nicht dabei sein konnten.

Daniel Ehniss stand uns als einer der Herausgeber per Skype und Beamer im Interview Rede und Antwort.
Dazwischen verwöhnte DJ Beat Weevil uns mit atmosphärischer Musik und die Künstlerin Debora Ruppert inspirierte uns mit ihren Fotografien von Menschen aus Berlin zwischen Schönheit und Zerbruch.

Haso liest aus bzwLEBEN

Da wir fünf anwesenden Autoren alle zum Thema „beziehungsweise Handeln“ geschrieben hatten, war es uns wichtig, das Thema „soziales Engagement“ nicht nur in Form von ästhetischem Kunstgenuss zu behandeln, sondern konkreter zu werden. Das Café Klaus Abendbrot war dazu gerade richtig. Es ist ein Teil des Zeitprojekt-Berlin e.V., das einen Schwerpunkt auf die Integration und das Zusammenfinden verschiedener Gesellschaftsschichten legt. So bietet es z.B. flexible Preise, je nach finanziellen Möglichkeiten. Zum Zeitprojekt gehört auch eine Kreativwerkstatt, der der Erlös des Abends zugute kam.
Außerdem stellte Henriette die Christliche Freiwilligenagentur vor und beriet Interessierte in den Lesepausen darüber, wie man sich in den unterschiedlichsten Projekten engagieren kann.

Polizei bei Demo vor dem Café

Ein weiterer Berührungspunkt mit dem Thema ergab sich ganz unerwartet: Auf der Straße vor dem Café fand eine Demonstration für die Erhaltung besetzter Häuser statt. So blickten wir von unserem Leseplatz aus für lange Zeit direkt auf die Einsatzwagen der Polizei. Berlin eben.

Alles in allem war es ein wunderschöner, gemütlicher Abend mit vielen inspirierenden Impulsen, interessanten Begegnungen und Gesprächen, köstlichem Essen und chilliger Musik. Wir können die Nachahmung in anderen Städten wärmstens empfehlen.

_

Esther hat diesen schönen Bericht über das erscheinungsFEST Berlin geschrieben. Die Bilder stammen von Günter J. Matthia.

11.12.2009 / Daniel bzwHANDELN

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erscheinungsFEST Berlin

Heute Abend erscheint unser Buch in Berlin. Mit erscheinen meine ich heute im Speziellen die Tatsache dass es dort heute zu Erleben sein wird. Im Café „Klaus Abendbrot“ werden Haso, Anne, Johnny, Andy und Esther aus ihren Kapiteln lesen, Bilder von Debora werden zu sehen sein und DJ Beat Weevil sorgt für den musikalischen Rahmen. Es werden darüber hinaus soziale Projekte aus Berlin vorgestellt werden und es wird natürlich Leckeres zu essen und trinken geben. Falls du es noch bis 23 Uhr dorthin schaffst empfehle ich dir dich nun auf den Weg zu machen…

Ein erstes Bild vom erscheinungsFEST wurde eben von Trupedo Glastic verbreitet.

05.12.2009 / Daniel Mitteilung

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4ntworten von Walter Faerber

Mit diesem Eintrag eröffne ich eine neuen Kategorie in diesem Blog – 4ntworten. Es handelt sich hierbei um 4 Antworten von inspirierenden Persönlichkeiten auf Fragen mit denen ich hoffe euch noch mehr Inspiration zum Leben und Handeln im Einklang mit Gott und Menschen zugänglich zu machen.

Walter FaerberDen Anfang macht Walter Faerber, der als Pfarrer einer evangelischen Landeskirchengemeinde ein inspirierendes Kapitel zu geistlichen Kernen in evangelischen Volkskirchen zu unserem Buch beigetragen hat. Wenden wir uns nun direkt den Fragen und vor allem seinen Antworten zu:

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Daniel Ehniss: Du schreibst in deinem Kapitel über die Chancen geistlicher Kerne innerhalb evangelischer Volkskirchen. Da du selbst Pfarrer einer evangelischen Kirche bist interessiert mich zunächst der Weg der dich zu diesen Gedanken geführt hat:

Walter Faerber: Mir fiel es wie Schuppen von den Augen, als ich die Missionsgeschichte unserer Gegend studierte: Karl der Große hat ja den Sachsen das Christentum blutig aufgezwungen. Und dann wurde (so sagt es das einschlägige Standardwerk) das Netz der fränkischen Kirchenverwaltung über die unterworfenen Gebiete gelegt. Die Religion der Sieger liebt man aber nicht. Die Pfarrer waren Aufseher über ihre Gemeinden, und die wurden wiederum beaufsichtigt, ob sie nicht vielleicht auch noch halbe Heiden waren.

Aber irgendwann merkte man, dass das nicht reichte. Um die Menschen auch innerlich zu gewinnen, gründete man deshalb Klöster und geistig-geistliche Zentren. Die haben viel Gutes bewirkt. Aber der Schaden des Anfangs war geschehen: die falsche Reihenfolge.

Als ich das las, dachte ich: so funktioniert es bis heute. Eine große Zahl von Menschen, die (mehr oder weniger erfolgreich) geistlich versorgt werden von kleineren oder größeren Zentren. Das kleinste dieser Zentren ist das Pfarrhaus. Diese Dualität von Zentrum und mehr oder weniger skeptischen Sympathisanten passte zu meinen Erfahrungen. Aus dieser Dualität sind wir bis heute noch nicht rausgekommen. Das muss man realistisch zugeben.

Und dann wurde mir klar: wir müssen diesen Anfangsschaden heilen, auch wenn er über 1000 Jahre alt ist. Diese Strategie der geistlichen Zentren ist ja keine schlechte Strategie, aber sie muss dienend geschehen und nicht nach Gutsherrenart. Dann ist sie der Situation angemessen. Auch wenn es traurig ist, dass wir nach über 1000 Jahren Christentum noch nicht weiter sind.

_

Daniel: In einem Kommentar zu deinem Kapitel las ich von dem Spannungsfeld in dem sich die Familie des Pfarrers befindet. Inwiefern ist deine Familie in eurem Kern dabei und wie erlebst du dieses Spannungsfeld?

Walter: Meine Frau ist in unserem “Kern” dabei, und meine Kinder waren, bevor sie ins Studium gegangen sind, streckenweise dabei. Ich habe aber immer darauf geachtet, dass es ihre eigene Entscheidung war und sie nicht dienstverpflichtet wurden.

Denn Pfarrfamilien werden ja sowieso schnell, ob sie wollen oder nicht, für den Beruf des Familienvorstandes in Haftung genommen – bis hin zu Lehrern, die ihr gestörtes Verhältnis zur Kirche an Pastorenkindern abreagieren. Oder die Frau des Pfarrers bekommt das zu hören, was man sich nicht traut, ihm selbst zu sagen. Vor allem aber hat die Familie um so weniger vom Vater/Mann, je intensiver er sich in der Gemeinde engagiert. Es kann sein, dass da echt tolle Sachen laufen – aber die Familie freut sich nicht mit, weil sie fürchtet, dass an ihr Belastungen hängenbleiben, die draußen keiner sieht. Und die Familie kann das alles noch weniger steuern als der Pastor selbst.

Wir hatten auch eine Zeit, als unsere Kinder noch klein waren und dann auch noch in der Gemeinde ganz blöde Konflikte liefen, das hat uns ziemlich an den Rand unserer Kräfte gebracht. Man erlebt dann trotzdem, dass man es schafft, man lernt enorm, aber in der Situation selbst ist das nicht lustig.

Wenn die Familie dann den Eindruck bekommt, sie soll nun zusätzlich auch noch selbstverständlich als geistlicher Kern dienen, dann wird sie sich möglicherweise nicht darüber freuen. Früher ging das vielleicht, dass Menschen sich einfach in die von der gesellschaftlichen Stellung vorgegebene Lebensweise einfügten. Heute funktioniert das so nicht mehr.

Auf der anderen Seite kann man in einem Pfarrhaus natürlich immer noch viele Dinge lernen, die man anderswo kaum mitbekommt: z.B. Einblicke in sehr unterschiedliche Lebenswelten, oder auch eine bestimmte Art, über Menschen nachzudenken. Wir haben z.B. sechs Jahre lang mit einer kurdischen Familie unter einem Dach gewohnt, die bei uns im Kirchenasyl war, und haben in Höhen und Tiefen unseren Alltag geteilt. Das war manchmal ziemlich anstrengend, aber auch eine Erfahrung, die nur wenige machen können. Unsere beiden Kinder haben sich später Studienfächer gewählt, in denen es um andere Kulturen geht.

Also, ich denke, dass ein Pfarrhaus immer noch ein privilegierter Ort ist, an dem man ein sehr interessantes Leben führen kann. Und als Ehepaar hat man die Chance, sehr intensiv zusammenzuwachsen und vieles gemeinsam zu durchdenken. Aber ich kann nicht voraussetzen, dass andere das genauso sehen, denn die Belastungen und der Zeitdruck sind auch stark. Und was wir im Moment durch die laufenden Stellenkürzungen in den Landeskirchen erleben, das wird die Situation mit Sicherheit noch einmal massiv verschlechtern. Da bleibt für Abenteuer wahrscheinlich kein Raum mehr.

_

Daniel: Wie präsent ist eure Kerngruppe im normalen Leben der Kirchengemeinde und welche Reaktionen von Seiten anderer Gemeindeglieder habt ihr bisher darauf bekommen?

Walter: Die Mitglieder unserer Gruppe arbeiten in fast allen Bereichen der Gemeinde an wichtigen Punkten mit; außerdem manchmal auch Familienangehörige, die nicht zur Gruppe gehören. Uns ist überhaupt im Lauf der Zeit ein Umfeld von Leuten zugewachsen, die man bei konkreten Aufgaben ansprechen kann, auch wenn sie (noch) nicht zur Gruppe gehören. Wir laufen aber nicht rum mit einem Schild “Wir sind der Kern!!”, sondern sehen eben zu, dass wir tatsächlich beitragen.

Eine der wirkungsvollsten Auswirkungen der Gruppe ist übrigens ziemlich unsichtbar: ich als vollzeitlicher Mitarbeiter werde durch meine Verankerung im Kern wesentlich wirksamer in meiner Arbeit. Ich kann mich inhaltlich weiter aus dem Fenster lehnen, weil ich deutlicher erlebe, dass das Evangelium etwas bewirkt. Ich weiß, wovon ich rede, wenn ich z.B. predige; ohne den Hintergrund der Gruppe wäre das deutlich weniger erfahrungsgesättigt. Das gilt natürlich auch für die anderen aus der Gruppe, die in der Gemeinde mitarbeiten.

Es gibt also eine Art von geistlichem Energiefluss, der von der Gemeinschaft durch viele Kanäle in die Gemeinde fließt. Weil wir aber nach außen eher zurückhaltend auftreten, freuen sich Leute über das Ergebnis, ohne immer zu wissen, aus welchen Quellen das fließt. Das ist sowieso ein Kennzeichen der Volkskirche: die Mitglieder freuen sich, wenn da anscheinend was Gutes läuft; wie es dazu kommt, das interessiert sie gar nicht so sehr.

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Daniel: Am Ende deines Kapitels sprichst du über geistliche Kerne die sich aus dem Zusammenschluss von existierende Gruppen und der Ortsgemeinde ergeben. Worin siehst du hierbei die Chancen und was sind deiner Meinung nach die Herausforderungen?

Walter: Wenn sich eine schon bestehende geistliche Gemeinschaft und eine landeskirchliche Ortsgemeinde zusammenschließen, können sie dadurch beide enorm gewinnen: die Gemeinde gewinnt geistliche Stärke und größere Sicherheit, wenn ihr geistliches Zentrum auf diese Weise viel stärker wird – wie das konkret aussehen kann, habe ich in der vorigen Frage am Beispiel unserer Gemeinde geschildert. Die Gemeinschaft wiederum kommt leichter in breite Verbindung mit der Normalbevölkerung und muss sich solche Kontakte nicht erst mühsam erarbeiten. So verliert sie nicht so schnell die Bodenhaftung.

Große Chancen gehen meist aber auch mit Risiken einher. Wenn die beiden Partner es nicht schaffen, in einem vertrauensvollen Aufeinanderzugehen ihre unterschiedlichen Organisationskulturen in einen fairen Dialog zu bringen, wird die Zusammenarbeit wahrscheinlich nicht funktionieren. Freie Gruppen/Gemeinden und volkskirchliche Ortsgemeinden sind so unterschiedlich, dass es viele Gelegenheiten gibt, sich mit Arroganz oder Misstrauen zu begegnen. Sekten- und Liberalismusverdacht sind beide schnell zur Hand. Man muss schon entschlossen sein, am Anderen auch auf schwierigen Wegstrecken festzuhalten.

Wir haben ja unseren Kern hier selbst entwickelt und diese Frage der Organisationskulturen sozusagen im Innenbereich durchgestanden, nicht ohne misstrauisch beobachtet zu werden von einer Minderheit in der Kerngemeinde, aber auch von kirchenleitenden Instanzen. Da hat es durchaus auch harte Entscheidungen gegeben. Aber das ist zum Glück jetzt schon lange her.

Ich möchte die Frage aber auch generell in den Blick nehmen: die Christenheit in unserem Land ist doch auch deshalb so schwach, weil die geistlich entschiedenen Kerne (ein bewusst schwammiger Begriff – ich rechne dazu Gemeinschaften, Freikirchen, aber auch alle möglichen Gruppierungen in den Volkskirchen und viele andere) und die gestreute christliche Substanz in der breiten Bevölkerung nicht zueinander finden. Beiden fehlt der jeweils andere. Beide würden enorm gewinnen, wenn sie zueinander fänden. Und am meisten würde das Evangelium gewinnen.

_

Vielen Dank an Walter, der sich die Zeit genommen hat 4 Antworten auf meine Fragen zu formulieren und uns damit noch tiefere Einblicke in die Chancen geistlicher Kerne ermöglicht.

Ich empfehle euch regelmäßige Lektüre von Walters Blog und auch @walterfaerber auf Twitter zu folgen.

16.11.2009 / Daniel 4ntworten

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