Verweilen bei dem was ist

Im beziehungsweise BETEN Teil des Buches findet sich ein Artikel mit dem Titel »Kontemplation – Keine Bedienungsanleitung« von Yotin Tiewtrakul. Als ich Yotin vor Kurzem im Ansverus Haus traf und er aus seinem Kapitel las, erwähnte er, dass im Zuge des Lektorats ein Wort zu seinem Artikel hinzugefügt worden war, das den Sinn der Aussage veränderte, jedoch so klein ist, dass es kaum auffällt. Dort im Ansverus Haus baten wir alle ihr Buch auf Seite 37 aufzuschlagen und ein Wort durchzustreichen, doch bisher fehlten mir die rechten Worte dies auch hier aufzugreifen. Nun hat Yotin einen Eintrag in sein Blog getippt, in dem er genau auf diesen Zusammenhang zu sprechen kommt, und da er selbst am besten darstellen kann, um was es ihm hier geht, möchte ich etwas aus seinem Eintrag hier zitieren:

In meinem Manuskript beschrieb ich die Haltung eines Menschen, der in die Kontemplation gezogen wird, so:

“Und so ist das, was man gemeinhin ‘kontemplatives Gebet’ nennt, vom Wesen her eine Übung des Zustimmens. Deshalb hören wir bei dieser Art des Betens auf, Gott um konkrete Dinge zu bitten oder über ‘geistliche Dinge’ nachzudenken. Die innere und äußere Haltung sind die eines absichtslosen Verweilens bei Gott oder dem, was ist.”

Das Lektorat fügte im letzten Satz das Personalpronomen “er” hinzu. Darum steht nun gedruckt in “beziehungsweise LEBEN“:

“Die innere und äußere Haltung sind die eines absichtslosen Verweilens bei Gott oder dem, was er ist.”

Leute, ich interessiere mich nicht für “Gott”. Wirklich. So lange wir noch in unseren abgegriffenen Geschichten und Phrasen herumstochern, ob noch etwas Frisches zu finden ist, wird uns der Gott, der kommt, niemals begegnen können. Denn so erlauben wir ihm nur das zu sein, was wir aussagen können. Und das ist zu wenig.

Etwas weiter unten schreibt er:

Wenn wir uns der Meditation widmen, einer Übung, um “bereit zu sein” und “zuzustimmen”, dann müssen wir auch bereit sein, einem “Gott” zu begegnen, den wir (noch) nicht kennen. Dann müssen wir auch bereit sein, “Gott” nicht zu begegnen. Wir können nicht das “Ergebnis” von Meditation vorher schon festlegen.

Bevor ihr jedoch den Artikel und die Kommentare dazu lest, bitte ich euch das Buch zur Hand zu nehmen, es auf Seite 37 aufzuschlagen, und das Wort »er« in der siebten Zeile zu streichen. Vielen Dank. Und nun der Link zu Yotins Blogeintrag:

› Ich interessiere mich nicht für Gott

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2 Kommentare zu “Verweilen bei dem was ist”

  1. Heike sagt:

    Das ist ja echt spannend! Gestern abend habe ich zufällig den Artikel gelesen. Das “er” muss ich echt überlesen haben. Es ergibt in diesem Zusammenhang ja auch keinen Sinn.

    Lese das Buch gerade auf der Suche nach Inspirationen für den “Basiskurs Gemeindediakonie”, den ich gerade vorbereite. Habe schon interessante Anregungen gefunden.

  2. Daniel sagt:

    Vielen Dank für deinen Kommentar. Wünsche dir, dass du inspiriert wirst und freue mich zu hören wie dein Kurs läuft.

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