Was ein solches Projekt mit der Art und Weise, wie ich Beziehungen sehe, anstellt war mir vorher nicht klar. Ich erinnere mich gut an einen Abend (höre: Nacht) an dem ich das Manuskript, das zum Verlag geschickt wurde, gesetzt habe. Daniel und ich wollten ein Dokument an den Verlag schicken, das einheitlich aussieht und damit die Stimmigkeit unterstreicht, die wir in der hervorragenden Arbeit der Autoren gesehen haben.
Ich begann um ca. 22:30 Uhr mit der Arbeit, kurz vorher hatten Daniel und ich noch einige Absprachen via iChat getroffen – ich war zu diesem Zeitpunkt im Wohnzimmer meiner Schwiegereltern in der Lüneburger Heide, er in Karlsruhe. Ich erstellte Formatvorlagen und ließ das Chat-Fenster offen. Nach dem ersten Kapitel schrieb ich Daniel kurz: “1. Kapitel fertig”. Er antwortete: “Cool.” und weiter ging es. So gegen 0:00 Uhr dann: “Zweites Kapitel fertig”. “Fein” kam seine Antwort und weiter ging es. Bis fast 2 Uhr morgens haben wir durchgehalten mit unserer virtuellen Arbeitsbeziehung. Ich verstehe seit dieser Zeit soziale Netzwerke und virtuelle “Präsenz” anders, tiefer und greifbarer. Vermutlich hätte ich ohne das offene Chatfenster zwischendrin aufgegeben.
Letztlich ist allein der Prozess des Schreibens für die unterschiedlichen Autoren (die wirklich aus ganz Deutschland kommen) auch eine Art virtueller Gemeinschaft. Nicht immer so sichtbar wie bei Daniel und mir, aber nicht weniger Greifbar. Die Beiträge vernetzen sich in dem Buch zu einem dichten Geflecht und geben Menschen aus unterschiedlichsten Arbeiten und Kontexten zusammen. Diese kollektive Stimme unterschiedlichster Menschen ist etwas, das mich beim mehrfachen Lesen immer wieder berührt. Ich sehe hier viele Reflektionen, Ebenbilder Gottes am Werk.
Für mich ist Beziehungsweise Leben wirklich eine Beziehungsarbeit – Beziehung zum Dreieinigen Gott, Beziehung zu den Menschen vor Ort und auch den wichtigsten Menschen in diesem Buchprojekt: Den (vermutlich im Moment: “Dir”) Leser(n).


